Kalter Entzug bei digitaler Abhängigkeit?

Ständig die Mails checken, kurz auf Facebook die Bilder der Freunde “liken” und schnell noch eine Nachricht in eine Gruppe schreiben. Jeder Daumen nach oben, jede Kurznachricht gibt uns einen kurzen Schuss Glückshormone.
Diese schnelle Befriedigung bringt uns immer mehr in eine Abhängigkeit. Hierfür gibt es bereits die ersten definierten Krankheitsbilder:


"Mobile and Internet Dependency Syndrome" (MAIDS) beschreibt die Abhängigkeit und ist auf dem Weg zu einer anerkannten Krankheit mit Therapieansätzen.
Wie bei einer körperlichen Sucht werden andere Bedürfnisse zurückgestellt oder verdrängt.


“Nomophobie” beschreibt die Angst, wenn das Smartphone nicht greifbar ist, der Akku quasi leer ist oder man sich in einem Funkloch befindet.
Nervosität und feuchte Hände sind Symptome.


Während der Zeit vor einem digitalen Irgendetwas vernachlässigen wir manchmal sogar unsere liebsten Menschen.
Wie fühlt sich ein Kind, das sich eigentlich die volle Aufmerksamkeit wünscht und verdient, wenn alle drei Minuten auf Facebook nach dem Wohlbefinden virtueller Freunde und Katzenbabies geschaut wird?

Immer wieder erscheinen Benachrichtigungen über den Eingang neuer Informationen, die anscheinend wichtig für uns sind.
Früher freute man sich einmal am Tag über den Postboten, nun heißt es ständig „You’ve got mail!“.
Entweder per Email, über Messenger-Apps oder sonstige Social-Media-Kanäle.
Unser Gehirn schüttet sofort Dopamin aus, das Glückhormon schreit „Öffne die Nachricht!“ und wir reagieren anstatt zu agieren und sind abgelenkt.
Wer sich traut kann für sein Smartphone gerne mal über einem angemessen Zeitraum die Datenverbindungen deaktivieren.
Und wenn man das überlebt, beim nächsten Mal ganz mutig den Zeitraum verdoppeln.
Es gibt auch spezielle Apps wie „quality timer“ oder „break free“, die das Handy für eine bestimmte Zeit sperren und die Nutzungszeiten analysieren.



„Nichts bedarf so sehr der Reform wie die Gewohnheiten der Mitmenschen.“ Mark Twain (1835-1910)

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