Gescheitert und doch gewonnen

Bis zum Kilometer 32 war der Marathonlauf in Bremen der bisher beste Lauf meines Lebens. Knapp 10 Minuten Vorsprung auf meine Ziel-Zeit hatte ich herausgelaufen. 
Ich hätte die letzten 10 km sogar jeweils entspannt eine Minute langsamer laufen um rechtzeitig ins Ziel zu kommen. Da ist es passiert.

Ein stechender Schmerz schoss in die rechte Wade, ich musste sofort stehen bleiben. Eine Muskelverletzung schmerzte, ich versuchte das Bein zu dehnen. Es wurde aber nicht besser. 
Humpelnd setze ich meinen Weg fort. Bei Kilometer 35 war ich fast nur noch auf einem Bein unterwegs und kam gerade fast an meinem Wagen vorbei, den ich unweit der Strecke geparkt hatte. 
Entnervt riss ich mir die Startnummer von der Brust, entsorgte sie im nächsten Mülleimer und hinkte fluchend zum Auto. 
83% der Wegstrecke hatte ich geschafft, der Tempomacher für meine Zielzeit war noch lange nicht in Sicht, so viel Vorsprung hatte ich eigentlich noch.

Vor einigen Jahren wäre ich nach einem solchen Scheitern über Wochen unerträglich gewesen. Immer wieder wäre das Kopfkino angegangen, immer wieder hätte ich mich über das Versagen aufgeregt. 
Durch die Selbstentwicklung und -findung der letzten Jahre konnte ich mein Bewusstsein auf die positiven Faktoren richten:

  • Ich durfte während der Vorbereitung 800 km in der freien Natur genießen
  • 800.000 Schritte haben meinen Laufstil und damit meine Haltung verbessert
  • 8 kg habe ich während des Trainings abgenommen
  • 80 Stunden Vorbereitung waren eine Zeit, in der ich mich intensiv mit mir beschäftigen konnte. Von der Atmung bis zur ungestörten Lösung von Problemen
  • Ich durfte 32 km des Laufes genießen und hatte dabei tolle Empfindungen und inspirierende Gespräche mit anderen Läufern
  • Auch das Nichterreichen des Ziels hat mir gezeigt, dass trotzdem am nächsten Tag ein neues leeres Blatt im Buch meines Lebens gefüllt werden möchte.
  • Eigentlich wollte ich meine kurze "Marathon-Karriere" nach dem Lauf beenden. Da ich meine Zielzeit aber nicht erreicht habe darf ich noch einen neuen Anlauf starten und mich im Training nochmals als Sportler und Mensch verbessern.

Aus diesem Grunde bleiben Euch also weitere Posts über das Laufen nicht erspart. Der Weg ist das Ziel zum Ziel.

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