Bruch

Der Aufschlag war heftig. Während einer Tätigkeit in der Produktion meines Unternehmens schob ich eine mobile Förderschnecke durch einen Raum. Leider hatte ich übersehen, dass ein Abflussgitter entfernt war. Die Förderschnecke kippte zur Seite und in einem Reflex wollte ich sie auffangen. Leider war dies bei einem Gewicht der Anlage von ca. 300 kg unmöglich.

Ich brach unter der Last zusammen und mit einem Krachen viel die Maschine auf mein linkes Bein. Leider so ungünstig, dass mein Fuß zu falschen Seite gedreht wurde und nun in der komplett falschen Richtung, mit den Zehen nach hinten, unter dem Metall klemmte.

Nach einigen Tagen war die Schwellung einigermaßen zurückgegangen und ich wurde operiert. Mehrere Bänder waren knöchern abgerissen, eigentlich hatte nur die Achillessehne noch gehalten. Die Knorpelschicht war stellenweise abgeplatzt. Nach einer weiteren Woche wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen. Der operierende Arzt wollte mir Hoffnung machen: “Wenn es gut läuft können Sie in ein paar Monaten wieder einigermaßen geradeaus laufen. Nur an Sport wird wohl nicht mehr zu denken sein”.

Eine tolle Aussage für einen Hobbyläufer Ende zwanzig. Das konnte es nicht gewesen sein. Sobald der Gips entfernt worden war begann ich mit dem Aufbautraining.

Auf Krücken ging ich jeden Morgen vor der Arbeit ins Schwimmbad und schwamm ein paar Runden. Nach einigen Wochen durfte ich wieder voll belasten und fügte ich ein Kraft- und Dehnungstraining im Fitnessstudio dazu. Im Sommerurlaub quälte ich mich auf Surfbrett und übte mich im einbeinigen Windsurfen.

Mit jedem Tag ging es besser.

Einige Jahre später überredete mich ein Freund nach ein paar Bier es doch noch einmal mit dem Laufen zu versuchen. Ein 10 km Volkslauf wurde sechs Wochen später geplant, wir meldeten uns an. Mit Mitte Zwanzig war ich die Strecke doch mehrfach die Woche locker gelaufen.

Ich holte am nächsten Abend ein Paar Turnschuhe aus dem Schrank und lief los. Nach drei Kilometern hätte in den Graben kotzen können. Kondition war nicht mehr vorhanden, speziell nach der Geburt unserer Tochter 2002 hatte ich wieder weniger Sport getrieben und wog 95kg bei 1,87m.

Aber ich wollte mir keine Blöße geben und trainierte viermal in der Woche. Den Lauf konnte ich dann in genau einer Stunde bewältigen.

Langsam, aber ohne Gehpausen. Die Endorphine ließen die alte Laufsucht wieder aufbrechen und so trainierte ich weiter. Mehrere Laufveranstaltungen pro Jahr motivierten mich, besser zu werden. Schon bald lief ich die 10km in ca. 45 Minuten anstatt 60 Minuten. Trainingseinheiten in Barfußschuhen halfen mir bei der Stabilisierung der Füße und Gelenke.

Danach verlängerte ich die Strecken und steigerte mich über den Halbmarathon bis zur Königsdisziplin, dem Marathon.

Über 42km Laufen am Stück. 2014 im wunderschönen Hamburg war es so weit, mit 78 kg, also 17 kg weniger. Und das mit einem Fuß der für Sport in diesem Leben nicht mehr geeignet sein sollte.

2014 lief ich bei 107 Läufen insgesamt 1.001 km. 2015 dann bei 196 Läufen genau 2.000 km.
Die richtige Einstellung zeigt, dass man etwas auch trotz einer Schwäche, in meinem Fall der lädierte Fuß, fast alles erreichen kann.
Wenn man es nur wirklich, wirklich will und die entsprechende Einstellung findet.

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