Prediger zu verkaufen

Große Hallen werden gefüllt. Tausende von Menschen singen und klatschen zusammen. Blicke nach rechts und links zeigen strahlende Gesichter. Auf der Bühne jeweils ein Prophet, der die Menschen berührt. Ihnen Hoffnung gibt und Mut macht. Fast alle im Publikum schwören sich, ab morgen ein neues Leben zu beginnen. Oder wenn es morgen nicht passt, dann übermorgen.

Mit vielen einfachen Beispielen und Vorschlägen werden neue Impulse gesetzt und die Zuschauer fühlen sich mit jedem Satz bestätigt. Eine Erkenntnis nach der Nächsten spiegelt sich in den Gesichtern. Menschen zu begeistern und mit großer Dramaturgie zu mutigen Schritten in ihren Leben zu bewegen ist per se eine gute Tat.

Wenn, ja wenn nicht in den meisten dieser Veranstaltungen das Verkaufen unterschwellig bis plakativ an den hehren Absichten zweifeln lässt.

Damit meine ich nicht den legitimen Hinweis auf Bücher oder weiter führende Tipps. Es geht um den stete Empfehlung, dass mit dem Abschluss eines Vertrages mit dem Redner die nächsthöhere Stufe der Weisheit erkauft werden kann. Es wird geschildert, wie man per Kauf eines weiteren Paketes, Teilnahme am nächsten Vortrag oder am Folgeseminar spielend leicht reich, berühmt und / oder schön wird.

Natürlich steht es jedem Speaker oder Seminarleiter frei, noch mehr Leistung zu verkaufen. Und jedem Teilnehmer, dass Angebot anzunehmen oder halt nicht. Aber mit psychologischen Verkaufstricks wie Rabatten bei sofortigem Abschluss und garantierten Erfolgen verliert der Speaker seine Unschuld und die Veranstaltung ihre Ehrlichkeit. Wenn es doch primär um den wirtschaftlichen Nutzen des Ausrichters geht, verliert immer der Sinn des Handelns seine Wertigkeit.

Mittlerweile reisen Dutzende von Predigern durch die Lande, nutzen Schneeballsysteme und Empfehlungen aus ihrem eigenen Zirkel. Ich gönne jedem von ihnen die Reichtümer, die er damit verdient. Aber wenn der Inhalt keine Rolle mehr spielt, sondern nur die Verpackung des Konzeptes würde ich Freunden nicht raten, solche Veranstaltungen zu besuchen.

Gerade wenn man authentische Vertreter aus der New Work - Bewegung kennt, ist das Handeln der neuen "Gurus" im Vergleich schon dicht an der Heizdecken-Veranstaltung. Fragt Euch also nach dem Verlassen eines solchen Seminars: Wollte der Speaker mich inspirieren, ein besserer Mensch zu werden oder soll ich aus ihm einen Reicheren machen?   


Bildquelle: Adobe Stock lizensiert.

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