Wer ist in Zukunft der Arbeit-Geber?

 

Die Rollen waren in der klassischen Marktwirtschaft stets klar verteilt:

 

Derjenige, der über die Ressourcen Boden und Kapital verfügt, errichtet damit Unternehmen und wird Geber von Arbeitsmöglichkeiten. Dieses Angebot ist knapper als die Anzahl an Arbeitskräften, die gegen Entlohnung die Arbeitsplätze annehmen und damit zu Arbeitnehmern werden. Je höher das persönliche Humankapital ist, also die Ausbildung bzw. die Leistungsfähigkeit, umso besser der Preis, der vom Einzelnen an diesem Arbeitsmarkt erzielt werden kann. 

Die Industrialisierung und Digitalisierung haben eine Rationalisierung bewirkt, die das Arbeitsplatzangebot weiter verknappt und die klassische Arbeitgeberposition stärkt.

 

Doch nun kippt zum ersten Mal in breiter Form das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Auf der einen Seite wird die künstliche Intelligenz Arbeitsplätze mit geringeren Anforderungen weiter zerstören, so dass wenig qualifizierte Arbeitnehmer immer mehr Probleme haben werden, Arbeit zu finden. Millionen mit niedriger Qualifikation werden schlicht nicht mehr benötigt.

Fachkräfte in allen Bereichen werden durch die demographische Entwicklung aber immer seltener zu finden sein. Aktuell beträgt das Defizit in Deutschland bereits ca. eine Million. In 2030 werden es je nach Schätzung zwischen drei und fünf Millionen zu wenige Fachkräfte sein.

Außerdem funktioniert mit zukünftigen Generationen der Tausch von Arbeitskraft bzw. Lebenszeit gegen Entlohnung nicht mehr so einfach. Sie haben erlebt, dass das reine Streben nach höheren Positionen und Statussymbolen ihre Eltern nicht glücklich gemacht hat. Sie werden sich aussuchen können und wollen, wem sie ihre Arbeitskraft geben, und die einfache Begrenzung auf die finanzielle Entlohnung der Arbeit wird nicht mehr ausreichen. Wer diese selbstbestimmten jungen Menschen mit seinem Unternehmen erreichen möchte, muss ein mehrdimensionales Angebot auf den Verhandlungstisch legen:

 

Sinnhaftigkeit, soziale Kompetenz, ökologische Nachhaltigkeit und weiterhin die Bezahlung  werden gemeinsam gewichtet. Unternehmen, die sich nicht authentisch in all diesen Bereichen positionieren, sondern weiterhin nur die finanzielle Gewinnmaximierung sehen, werden irgendwann ohne qualifizierte Mitarbeiter ihren Markt nicht mehr bedienen können.

 

Die Bewerber werden auf der anderen Seite des Tischen sitzen, der Einzelne wird Arbeitgeber und die Unternehmen zu Arbeitnehmern. Dies kann man als Unternehmer(in) verfluchen. Oder als Chance betrachten, sich selbst zu reflektieren und auf neuen Feldern stark zu positionieren. Auch wenn diese Neuausrichtung kurzfristig die reine finanzielle Situation schwächt, wird sie langfristig erfolgreicher sein. Und eine sinnvolle, kollegiale und ökologische Arbeit macht eh mehr Spaß. Auch der Chefin / dem Chef.  :-)
Die Unternehmer(innen) nehmen die Arbeitskraft mit auf Ihre Mission, die Ihnen von Gleichgesinnten gegeben wird.

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