Das Ende der Städte?

 

Die Bibliothek von Alexandria gilt als Urform einer Universitätsbibliothek und als erster, gigantischer Wissensspeicher. 

Rom war einst die militärische und wirtschaftliche Steuerzentrale eines Weltreiches. Mächtige Fabriken haben die letzten zweihundert Jahre die Arbeiter in die Städte gelockt. Vier Jahrtausende haben sich Macht, Geld und Menschen in Ballungszentren gesammelt.

Wie lange noch?

 

Mit den urbanen Vorteilen gehen stets auch Nachteile einher. Umweltbelastungen, Stress und Anonymität sind nur einige Punkte. Diese wurden bisher in Kauf genommen, da die großen Städte als Bildungs-, Arbeits- und Machtzentren unsere gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung gestaltet haben.

Werden durch die Digitalisierung aber nicht viele der Präferenzen aufgehoben? Dezentrale Netzwerke wie das Internet ersetzen physische Wissensansammlung. Verwaltungs- und Bildungsaufgaben können vermehrt im Home-Office erfüllt werden. In Unternehmen verschwinden die Abteilungen, da nicht mehr mit Papier gefüllte Ordner als fachliche Wissensgrundlage Abgrenzungen erzwingen. Gilt das Gleiche nicht für die Abgrenzung von Stadt und Land?

Auch in der Wirtschaft findet ein Umdenken statt. Die Erzeugung von Produkten mit immer besseren Eigenschaften, die vom Marketing ausgeschlachtet werden können, dient vorrangig der ökonomischen Wachstumsspirale.  Diese Entwicklung kann nicht ewig weitergehen, ohne uns ins ökologische Chaos zu stürzen. Die „Fridays for future“ sind erst der Anfang. Immer mehr Menschen begreifen, dass eine Mäßigung im Wirtschaften unumgänglich sein wird. Die Erweckung ständig neuer, latenter Bedürfnisse wird immer weniger Menschen erreichen. Wenn wir in Tiny Houses anstatt von Prestige-Villen wohnen, wenn wir autonome Autos nur noch im Carsharing nutzen, müssen wir nicht  mehr so viel arbeiten. In den frei gewordenen Garagen können wir die vom New Work-Vordenker Frithjof Bergmann vorgeschlagene Eigenproduktion starten. Es wird nicht mehr darum gehen, dass vermeintlich beste Produkt zu erzeugen, sondern das schlankeste. Clever und smart anstatt teuer und stark. Mit Bauplänen als Open Source im Netz.

 

Dafür braucht es dann weniger Ballungszentren. Das autarke Leben auf dem Land, kombiniert mit modernsten digitalen Netzwerken, wird dann wieder attraktiver. Urlaub auf dem Bauernhof, 52 Wochen im Jahr. Begleitet von wenigen Stunden Jobarbeit am Tag, die ausreichen werden, die gesunkenen materiellen Bedürfnisse zu befriedigen. Teure Auslandsurlaube, die wir uns jetzt als Belohnung für die viele Arbeit gönnen, werden dann auch weniger begehrenswert. Studiert wird dann mit geringen Präsenzzeiten vorwiegend in Online-Communities. Politische Entscheidungen werden nicht nur durch Vertreter, sondern vermehrt in Eigenverantwortung direkt abgestimmt. Wir können dank der Digitalisierung dann wieder ein Stück weit ein menschlicheres Leben genießen, und nicht mehr unsere Lebensgestaltung um die Funktion als Ressource der Konzerne richten. Mich als Dorfkind würde es freuen.

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